Produktion in der DACH-Region – Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen für die Life Science Branche

Die DACH-Region steht als Produktionsstandort in der Life Science Branche sowohl vor signifikanten Herausforderungen als auch vor einzigartigen Chancen. Die hohe Qualität und Innovationsstärke haben die Region und insbesondere Deutschland als wichtigen Markt etabliert. Doch die globalen Veränderungen in den Lieferketten, die steigenden Produktionskosten und die zunehmenden regulatorischen Anforderungen stellen die Unternehmen vor neue Herausforderungen.

Stärke liegt in der Forschung und Entwicklung

Die Pharma-Industrie und Medizintechnik in der DACH-Region sind aufgrund ihrer fortgeschrittenen Forschung und Entwicklung sowie Produktion innovativer Arzneimittel international anerkannt. Deutschland, insbesondere, hat sich eine führende Position durch seine Stärke in der naturwissenschaftlichen Forschung gesichert, die einen erheblichen Mehrwert für die Pharmabranche darstellt. Allerdings zeigen sich Schwächen in den klinischen Anwendungen, wo ein stagnierender bis rückläufiger Trend in den Patentanmeldungen zu beobachten ist. Zudem hat sich die Produktion generischer Arzneimittel, die etwa 80 Prozent der Grundversorgung mit Medikamenten ausmachen, größtenteils nach Asien verschoben, da die Produktion in Europa aufgrund geringer Margen kaum noch rentabel ist. Obwohl die Produktion patentgeschützter und innovativer Medikamente noch vor Ort stattfindet, wird auch die Herstellung von Medizinprodukten zunehmend nach Asien verlagert.

Herausforderungen auch in der Medizintechnik

Ein weiteres kritisches Problem stellt die Medizintechnik dar, die aufgrund der strengen Regulierungen durch die Medizinprodukte-Verordnung (MDR) droht, zurückzufallen. Viele Produkte bleiben in einer regulatorischen Warteschleife hängen, was die Forschung und Entwicklung in diesem Sektor hemmt. Trotz dieser Herausforderungen ist die Exportquote von pharmazeutischen Produkten und Medizinprodukten aus Deutschland weiterhin hoch, was die internationale Nachfrage und das Vertrauen in deutsche Life Science Produkte unterstreicht.

Aktueller Stand der Life Science Produktion

Die Industrieproduktion in Deutschland erlebte im Dezember 2022 einen deutlichen Einbruch, konnte jedoch im Frühjahr 2024 eine leichte Erholung verzeichnen. Die Produktion in Deutschland zeichnet sich durch eine hohe Exportquote aus, wobei über 70 Prozent der produzierten Medizinprodukte ins Ausland verkauft werden. Auch die Exportquote von Arzneimitteln ist ähnlich hoch. Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Produktionslandschaft weiterhin von Volatilität geprägt, vor allem aufgrund anhaltender Probleme in globalen Lieferketten und steigenden Kosten. Diese Unsicherheiten beeinflussen die strategischen Entscheidungen vieler Unternehmen, insbesondere hinsichtlich der Standortwahl und Investitionsstrategien. Dennoch bleibt Deutschland ein führender Standort in Sachen Produktion für innovative, patentgeschützte pharmazeutische Produkte und Medizintechnik.

Herausforderungen in der Produktion

Während Deutschland bekanntlich für hohe Qualitätsstandards und strikte regulatorische Anforderungen steht, hat die Attraktivität des Standorts für Unternehmen in den letzten Jahren gelitten. Folgende Punkte beeinflussen die aktuelle Lage hinsichtlich des Produktionsstandorts Deutschland:

Verlagerung von Wertschöpfungsteilen ins Ausland

Parallel dazu zeigt sich ein klarer Trend zur Auslagerung von Wertschöpfungsteilen ins Ausland. Viele Unternehmen streben danach, ihre Kosten zu senken und ihre Reaktionsfähigkeit auf Marktveränderungen zu verbessern, indem sie Teile ihrer Produktion in Länder mit günstigeren Produktionsbedingungen verlegen. Diese Strategie ermöglicht es den Unternehmen, flexibler auf die globalen Herausforderungen zu reagieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Regulatorische Rahmenbedingungen in der DACH-Region

Die regulatorischen Rahmenbedingungen in der DACH-Region für Life Science Unternehmen sind komplex, da diese direkt die Entwicklung, Produktion und Vermarktung von pharmazeutischen Produkten und Medizintechnik beeinflussen. Eines der wichtigsten regulatorischen Instrumente ist die Medizinprodukte-Verordnung (MDR), die in der gesamten EU hohe Sicherheits- und Qualitätsstandards für Medizinprodukte vorschreibt. Diese Verordnung verlangt von Herstellern, umfassende klinische Daten bereitzustellen und regelmäßige Aktualisierungen ihrer Produktakten vorzunehmen, was den Zulassungsprozess für neue Produkte intensiviert.

Neue Digitalgesetze

Zusätzlich zu den spezifischen Medizinproduktegesetzen werden Life Science Unternehmen auch zunehmend durch neue Digitalgesetze in Europa beeinflusst, darunter der EU AI Act. Dieser zielt darauf ab, Künstliche Intelligenz in kritischen Sektoren wie dem Gesundheitswesen sicher und transparent zu gestalten. Unternehmen, die KI-Technologien einsetzen, müssen sicherstellen, dass ihre Produkte den strengen Anforderungen an Datenqualität, Transparenz und Zuverlässigkeit entsprechen.

Diese Kombination aus strengen medizinischen Vorschriften und neuen digitalen Gesetzgebungen erfordert von Life Science Unternehmen in der DACH-Region eine flexible Anpassungsfähigkeit und proaktive Compliance-Strategien, um im Wettbewerb bestehen zu können und regulatorische Risiken zu minimieren.

Strategischer Einkauf als Schlüsselrolle

Um die globale Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands zu stärken, kommt dem strategischen Einkauf eine entscheidende Rolle zu. Dieser Bereich bezeichnet die langfristige, systematische und planvolle Ausrichtung der Beschaffung in einem Unternehmen. Der strategische Einkauf trägt wesentlich dazu bei, Effizienz zu steigern, Lieferketten zu optimieren und Innovationen zu fördern. Der zunehmende Fachkräftemangel in diesem Bereich wird als wachsende Herausforderung gesehen, da qualifizierte Einkaufsexperten entscheidend sind, um Prozesse zu optimieren und die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes zu erhöhen.

Der strategische Einkauf geht weit über die bloße Beschaffung von Materialien und Dienstleistungen hinaus und zielt darauf ab, die Produktionsstandorte durch Investitionen in digitale Technologien, nachhaltige Prozesse und qualifiziertes Personal zu stärken. Folgende Teilbereiche spielen dabei eine wichtige Rolle:

  1. Lieferantenmanagement:
    • Auswahl, Bewertung und Entwicklung von Lieferanten
    • Aufbau strategischer Partnerschaften
    • Lieferantenbewertung anhand von KPIs (z. B. Lieferzuverlässigkeit, Qualität)
  2. Risikomanagement:
    • Identifikation und Minimierung von Risiken in der Lieferkette
    • Diversifizierung der Lieferantenbasis, um Abhängigkeiten zu reduzieren
  3. Kostenoptimierung:
    • Analyse von Kostenstrukturen und Preisentwicklungen
    • Verhandlungen von Rahmenverträgen und langfristigen Liefervereinbarungen
    • Total Cost of Ownership (TCO) betrachten
  4. Innovationsförderung:
    • Zusammenarbeit mit Lieferanten, um innovative Produkte und Lösungen zu entwickeln
    • Nutzung von Lieferantenwissen zur Produktverbesserung
  5. Nachhaltigkeit und Compliance:
    • Sicherstellung von Nachhaltigkeitsstandards und ethischen Richtlinien in der Lieferkette
    • Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und Unternehmensrichtlinien
  6. Beschaffungsstrategie:
    • Entwicklung und Umsetzung einer langfristigen Beschaffungsstrategie, die mit den Unternehmenszielen abgestimmt ist
    • Make-or-Buy-Entscheidungen
  7. Digitalisierung und Datenanalyse:
    • Einsatz von digitalen Tools für die Datenanalyse und Prozessoptimierung
    • Nutzung von Marktdaten, um Beschaffungsentscheidungen zu verbessern

Ausländische Unternehmen investieren weiterhin

Interessanterweise hat die angespannte Situation nicht zu einem Rückgang ausländischer Investitionen geführt. Im Gegenteil, im Jahr 2021 wurde sogar ein Anstieg der Neuansiedlungen ausländischer Unternehmen um sieben Prozent gegenüber dem Vorjahr verzeichnet, mit insgesamt 1806 neuen oder ausgebauten Standorten. Dies deutet darauf hin, dass Deutschland trotz der Herausforderungen als attraktiver Investitionsstandort wahrgenommen wird.

Zukunftsaussichten für die Produktion in der DACH-Region

Obwohl die Produktion in der europäischen Life Science Branche vor erheblichen Herausforderungen steht, behält der Standort aufgrund seiner hohen Qualitätsstandard und Innovationsfähigkeit seine Attraktivität für Unternehmen. Dennoch müssen nicht nur Unternehmen aktiv Strategien zur Lösung dieser Themen finden – auch die Gesetzgebung spielt hier eine entscheidende Rolle, um die Bürokratie zu reduzieren und die lokale Produktion zu fördern und attraktiver zu gestalten. Positive Entwicklungen wie die Gesetzesänderung, die Krankenkassen verpflichtet, auch mit europäischen Herstellern Verträge abzuschließen, sind erste Schritte in die richtige Richtung. Das übergeordnete Ziel sollte sein, die Abwanderung von weiteren Unternehmen zu verhindern und die Produktion von Generika in Europa wieder lohnenswert zu gestalten. Die angestrebten schnelleren Zulassungsverfahren und unbürokratischen Genehmigungen für die Forschung, insbesondere durch das neue Medizinforschungsgesetz, könnten weitere Impulse setzen. Auch die strategische Weiterentwicklung der MDR wird die Zukunft in der Medizintechnik maßgeblich prägen.

Neue Hebel für Unternehmen

Doch auch für Unternehmen bieten Investitionen in Nachhaltigkeit, klimaneutrale Produktion oder Digitalisierung neue Chancen. Durch eine proaktive Lieferantenauswahl, effizientes Risikomanagement und eine nachhaltige Beschaffungsstrategie können Unternehmen die Herausforderungen meistern. Dabei sind innovative Lösungen und der gezielte Einsatz von digitalen Tools unerlässlich, um die Lieferketten effizient und widerstandsfähig zu gestalten. Der strategische Einkauf dient als wichtiger Hebel, um Kosten zu optimieren, Compliance sicherzustellen und letztlich die Wettbewerbsposition im internationalen Vergleich zu stärken.

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