Patientensicherheit: Welche Probleme gibt es aktuell?

Die Sicherheit der Patientinnen und Patienten sollte für das Personal des Gesundheitswesens immer an oberster Stelle stehen. Dennoch kommt es immer wieder zu Fehlern bei der Behandlung von Patienten – doch woran liegt das? Und was kann dafür getan werden, dass es weniger Fehler gibt?

Unter der Patientensicherheit versteht man die Gewährleistung einer guten sowie sicheren Versorgung der Patientinnen und Patienten. Oftmals wird der Begriff jedoch auch als die Abwesenheit unerwünschter Ereignisse definiert, was jedoch eine etwas ungenaue Darstellung ist, da es primär nicht nur um die Abwesenheit von Fehlern geht, sondern um die Vermeidung dieser. Eine bessere Beschreibung wäre also, dass der Patientensicherheit der Aufbau einer innovative Sicherheitskultur zu Grunde liegen sollte.

Die wichtigsten Aspekte bei der ärztlichen Arbeit sind Qualität und Sicherheit. Das impliziert, dass den Patientinnen und Patienten kein vermeidbares Leid zugefügt werden soll.

Hauptursachen für Probleme in der Patientensicherheit

Es gibt unterschiedliche Arten von Behandlungsfehlern, die die Patientensicherheit gefährden können. Typische Beispiele für Behandlungsfehler sind:

  • Medikationsfehler: Eine fehlerhafte Medikation, zum Beispiel in Form einer falschen Dosierangabe auf der Verordnung eines Medikaments, kann die Ergebnisse einer Therapie negativ beeinflussen.
  • Kommunikationsprobleme: Eine unzureichende Aufklärung vor einem Eingriff kann aufgrund von Kommunikationsschwierigkeiten zwischen dem medizinischen Personal und der Patientin oder dem Patienten entstehen.
  • Technische Fehler oder Fehlfunktionen: Je nachdem, welche technischen Geräte verwendet werden, kann es auch hier zu Schwierigkeiten kommen, weswegen eine regelmäßige Kontrolle und Wartung der verwendeten Gerätschaften notwendig ist.
  • Fehlende oder unzureichende Hygienestandards: Therapie-assoziierte Infektionen sind Infektionen mit Krankenhauskeimen, die durch mangelhafte Hygiene entstehen.
  • Diagnosefehler: Es kommt zu Diagnosefehlern, wenn zum Beispiel Symptome übersehen werden und demnach eine falsche oder unvollständige Diagnose erstellt wird.
  • Maßnahmen ohne Nutzen: Eine Maßnahme ohne Nutzen wäre beispielsweise eine Überversorgung. Davon spricht man, wenn Behandlungen durchgeführt werden, obwohl sie nicht notwendig sind.
  • Überlastung des Pflegepersonals: Auch der weiterhin andauernde Fachkräftemangel ist ein Grund für Behandlungsfehler, da es aufgrund der fehlenden Arbeitskräfte zu einer Überlastung des aktuellen Pflegepersonals kommt.

Fehler im Gesundheitswesen

Obwohl die Qualität der Gesundheitsversorgung in Deutschland sehr hoch ist und Fehler nur eine Ausnahme und nicht den Regelfall darstellen, sind auch Angestellte im Gesundheitswesen, selbst hochqualifizierte Ärztinnen und Ärzte, nicht komplett fehlerfrei. Wichtig ist allerdings, sich darauf zu konzentrieren, welche Fehler vermeidbar sind und was genau man machen kann, um diese dann auch im Vorfeld vor ihrer Entstehung verhindern zu können.

Das Institute of Medicine publizierte im Jahr 2000 das als bahnbrechend angesehene Werk „To Err is Human“. Es geht darum, dass Fehler im Medizinbetrieb keine Ausnahmen und auch nicht unvermeidlich sind. Fehler, wie das Vergessen von Operationsinstrumenten im Körper eines Patienten oder Seitenverwechslungen bei Operationsgebieten werden „never events“ genannt. Damit sind Ereignisse gemeint, die in der Theorie eigentlich nie auftreten sollten und absolut vermeidbar wäre, aber in der Praxis dennoch vorkommen. Es geht dabei nicht um Schuldzuweisungen, sondern es soll auf die Problematik aufmerksam gemacht werden und sie soll realistisch eingeordnet werden, damit gute und präventive Lösungen dafür gefunden werden können.

Das Thema wird auch in der Zukunft noch sehr wichtig sein, denn auch wenn aktuelle und konkrete Probleme gelöst werden, müssen auch nachhaltige Lösungen für die Zukunft entwickelt werden, zum Beispiel, wenn es um das Thema Fachkräftemangel in der Pflege geht.

Maßnahmen zur Verbesserung

In Deutschland gibt es bereits einige Maßnahmen, um die Sicherheit von Patientinnen und Patienten zu verbessern:

  • Patientenrechtegesetz: Das sogenannte Patientenrechtegesetz sagt aus, dass Krankenhäuser ein Beschwerdemanagement für ihre Patientinnen und Patienten haben müssen. Die damit einhergehend gesammelten Informationen müssen zudem angemessen bearbeitet und auch genutzt werden.

  • Patientensicherheitskultur: Die Messung der tatsächlichen Patientensicherheit in einer Einrichtung kann beispielsweise durch Befragungen von sowohl Patientinnen und Patienten als auch vom Personal erfolgen. Zudem gibt es Patientensicherheitsbeauftragte, die für die Entwicklung und Verbesserung von Sicherheitskultur in medizinischen Einrichtungen zuständig sind. Diese beiden Punkte tragen zu einer verbesserten Patientensicherheitskultur bei.

  • Fehlermelde- und Berichtssysteme: Neben den direkten Befragungen gibt es auch die Möglichkeit zur anonymen Meldung von positiven oder negativen Ereignissen mithilfe eines Berichterstattungssystems.

  • Krankenhausstrukturgesetz (KHSG): Aufgrund des Gesetzes gibt es verschiedene vorgesehene Qualitätsprüfungen in einem Krankenhaus, um die Qualitätssicherung bestmöglich gewährleisten zu können.

  • Verbesserung der Arzneimitteltherapie: Bereits im Vorfeld können bei einigen Medikamenten Wahrscheinlichkeiten festgelegt werden, mit denen Nebenwirkungen bei Patienten auftreten oder eben nicht ­– diese Wahrscheinlichkeiten zu berücksichtigen sorgt für verbesserte Ergebnisse der Arzneimitteltherapie.

  • Präventivmaßnahmen: Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Maßnahmen, wie eine Patientenidentifikation in Form eines Armbands oder die Markierung des genauen Eingrifforts, die dabei helfen können, Fehler bereits im Vorfeld zu vermeiden. Eine weitere Option sind OP-Checklisten, um unerwünschte Risiken und Ereignisse zu erkennen und somit auch vermeiden zu können.

  • Richtlinien und Beschlüsse des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA): Inhalt in diesen Beschlüssen und Richtlinien sind unter anderem Struktur- und Prozessvorgaben, Mindestmengenfestlegungen von Arzneimitteln sowie Erhebungen und anschließende Bewertungen der Indikatoren für Patientensicherheit.

Weitere Punkte, die für eine Verbesserung der Patientensicherheit sorgen können, sind:

  • Schulung des medizinischen Personals
  • Einsatz von Technologie und digitalen Hilfsmitteln
  • Etablierung klarer Kommunikationsrichtlinien und -protokolle
  • Patientenaufklärung und -beteiligungsmaßnahmen
  • Entgegenwirken des Pflegenotstandes durch eine attraktivere Gestaltung des Berufs

Aktionsbündnis Patientensicherheit

Das Aktionsbündnis Patientensicherheit (APS) wurde im April 2005 gegründet und ist ein gemeinnütziger Verein. Das Ziel ist eine sichere Gesundheitsversorgung sowie die Entwicklung und Verbreitung geeigneter Maßnahmen für eine bessere Patientensicherheit. Denn auch wenn das Thema ein sehr wichtiges im deutschen Gesundheitswesen ist, gibt es leider immer noch Fälle, in denen die Sicherheit der Patienten nicht ausreichend geachtet und geschützt wird.

Im Jahr 2018 hat das APS eine Publikation veröffentlicht, die ein neues Verständnis für die Patientensicherheit aufzeigt. Es wurde analysiert, wie es zu Fehlern kommen kann: Die Grundlage bilden hierbei Management-Entscheidungen, da auf dieser Ebene darüber entschieden wird, welche Priorität die Sicherheit der Patienten hat, aber auch die Organisationskultur ist ausschlaggebend. Das APS hat zudem eine Liste mit Handlungsempfehlungen für Organisationen aus dem medizinischen Sektor ausgearbeitet.

Die Rolle der Patientinnen und Patienten

Patientinnen und Patienten sollten sich im Vorfeld einer Behandlung über häufige Risiken und deren entsprechende Prävention selbstständig informieren. Außerdem sollten sie in Gesprächen mit Ärztinnen oder Ärzten Nachfragen stellen, um sichergehen zu können, dass sie alle angesprochenen Punkte verstanden haben.

Die Zukunft der Patientensicherheit

Die Digitalisierung trägt bereits zum jetzigen Zeitpunkt einen Teil zur Verbesserung der Patientensicherheit bei und das wird sich in den kommenden Jahren noch verstärken.

„Internet of Things“-Geräte sorgen für Verbesserungen von Prozessautomatisierungen. Aber auch die Robotik, Digital Health Anwendungen und Gesundheitsapps können langfristig für einen bessere Patientensicherheit sorgen, da sie das medizinische Personal unterstützen. Außerdem werden Themen wie Software-Lösungen und Big Data sowie künstliche Intelligenz ebenfalls in der Zukunft auch in Bezug auf die Patientensicherheit noch mehr Raum einnehmen.

Jedoch trägt vor allem die Führungsebene eines Unternehmens im Gesundheitssektor viel Verantwortung, wenn es um das Thema der Patientensicherheit geht. Doch auch auf politischer Ebene muss sich langfristig etwas ändern und noch mehr für die Patientensicherheit getan werden, damit es weitere und vor allem nachhaltige Veränderungen geben kann.

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