Fachkräftemangel und Gender Gap: Warum es wichtig ist, Mädchen für MINT-Fächer zu begeistern

Im Dezember 2022 waren über 1,2 Millionen Stellen für qualifiziertes Fachpersonal nicht besetzt – der höchste Dezemberwert seit über zehn Jahren. Vor allem in Berufen mit ungleichen Geschlechterverhältnissen ist der Bedarf an Fachkräften groß – eine dieser Berufsgruppen stellen MINT-Berufe dar. Zwar steigt die Anzahl an MINT-Absolventinnen inzwischen, dennoch waren im vierten Quartal 2022 nur 15,8 % aller in MINT-Berufen beschäftigten Personen weiblich. Laut dem MINT-Herbstreport 2022 gab es im Oktober 2022 ca. 502.200 offene Stellen in MINT-Berufen, während nur rund 176.910 Personen mit passender Qualifikation arbeitslos gemeldet waren. Schafft man es also mehr Frauen für eine Karriere in MINT-Berufen zu begeistern kann dies einen wertvollen Beitrag dazu leisten, die Fachkräftelücke zukünftig weiter zu verringern.

Gründe für den Fachkräftemangel

Die Gründe für den Fachkräftemangel sind vielfältig: Digitalisierung, Dekarbonisierung, Globalisierung, demographischer Wandel. Die Hürden bei der Besetzung offener Vakanzen sind so groß wie noch nie. Spürbar ist das vor allem in Branchen wie der MINT-Branche. Der Bedarf an qualifizierten Arbeitskräften ist hier hoch und wird in der Zukunft noch weiter ansteigen. Die Digitalisierung fordert immer mehr IT-Fachkräfte, um das Klima zu schützen müssen klimafreundliche Technologien entwickelt werden und jährlich scheiden knapp 65.000 MINT-Akademiker und -Akademikerinnen altersbedingt aus dem Arbeitsmarkt aus – Tendenz steigend.

Erwerbstätigkeit von Frauen

Die Erwerbsquote von Frauen ist seit den Neunzigerjahren gestiegen, doch auch heute arbeitet ein großer Teil der Frauen noch in Teilzeit. Von den in 2021 40,3 Millionen Erwerbstätigen waren 18,9 Millionen Personen weiblich und 15,5 Millionen Frauen gingen dabei einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nach. Die Hälfte dieser Frauen hat dabei in Teilzeit gearbeitet, während der Anteil bei den Männern lediglich bei 12 % von 17,9 Millionen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten lag.

Auch die Zahlen zum Thema Führungsverantwortung und Gehalt sprechen eine deutliche Sprache. Knapp die Hälfte aller Beschäftigten ist weiblich, aber nur 28 % aller Stellen mit Führungs- und Aufsichtsfunktionen sind mit Frauen besetzt.
Der Gender Pay Gap, also die Differenz der durchschnittlichen Bruttogehälter von Frauen und Männern, ist ebenfalls ein Symptom mangelnder Gleichstellung: Zwar verringert dieser sich seit 2016 leicht, 2022 verdienten Frauen aber im Schnitt pro Stunde immer noch 18 % weniger als Männer (unbereinigt). 

Geringer Anteil an Frauen in MINT-Berufen

Ein Bereich, in dem starke Unterschiede bezüglich der Geschlechterverteilung herrschen sind Berufe in den MINT-Branchen. Trotz positiver Tendenzen sind Mädchen und Frauen hier nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Im ersten Quartal 2022 waren lediglich 15,8 % aller MINT-Berufe mit Frauen besetzt. Dabei besetzen Frauen, die sich für eine Karriere im MINT-Bereich entscheiden, oftmals andere Fachrichtungen als Männer. Vor allem in besonders innovationsstarken Branchen, wie beispielsweise dem Maschinen- und Fahrzeugbau, ist der Frauenanteil gering. Dabei finden sich die höchsten Frauenanteile mit 46,3 % in Biologie- und Chemieberufen sowie mit 72,9 % in sonstigen naturwissenschaftlichen Expertenberufen. Am niedrigsten ist dieser hingegen in Ingenieurberufen Energie- und Elektrotechnik (10,3 %) und Ingenieurberufen Metallverarbeitung (11,1 %)

Trotz der positiven Entwicklungen ist dennoch das Phänomen der „Leaky Pipeline“ zu beobachten: Obwohl Frauen und Mädchen tendenziell höhere Bildungsabschlüsse erwerben, sinkt der Frauenanteil mit den verschiedenen Qualifizierungsebenen und Karrierestufen.

Möglichkeiten, um mehr Mädchen und Frauen für MINT zu gewinnen

Um die Potenziale der Frauen besser zu nutzen, ist ein Umdenken erforderlich. Hierzu gibt es bereits einige Ansätze.

  1. Klischeefreie Studien- und Berufsorientierung: Damit kann bestehenden Vorurteilen zu MINT-Berufen entgegengewirkt werden. Hier sollte die gesellschaftliche Relevanz von MINT-Berufen hervorgehoben und aktuelle Informationen zu Arbeitswelt und Berufen bereitgestellt werden. Besonders wichtig sind dabei die Kompetenzen der Lehrkräfte.
  2. Unverzerrtes Feedback in Schulen: Bei gleichen Kompetenzen schätzen sich Mädchen in MINT-Fächern immer noch schlechter ein als Jungen. Auch Eltern schätzen Töchter in diesen Fächern tendenziell schlechter ein als Söhne. Umso wichtiger ist ein unverzerrtes Feedback von Schulen, beispielsweise durch individuelle Interpretation und Feedback zu Testresultaten.
  3. Mentoring und Vorbilder: Mentorenprogramme zur Orientierung können ebenfalls hilfreich sein, indem Kontakte zu einzelnen Mentorinnen und Mentoren sowie zu ganzen Netzwerken ermöglicht werden. Außerdem gewinnen Vorbilder immer mehr an Bedeutung, sodass die Sichtbarkeit von weiblichen MINT-Experten eine große Rolle zur Motivation junger Mädchen und Frauen spielt.

Initiativen rund um die Förderung von Mädchen in MINT-Berufen

Inzwischen gibt es eine Vielzahl an Förderprogrammen, die mehr Frauen für MINT-Berufe begeistern sollen. Die Initiative MINTvernetzt beispielsweise, die die deutsche MINT-Community vernetzt und dabei den Schwerpunkt auf die Förderung von Mädchen und Frauen setzt. Zwar endete die Förderung der Initiative Komm, mach MINT mit August 2021, die zugehörige Website besteht jedoch weiter und hat sich im Laufe der Jahre zur zentralen Plattform für alle Themen rund um Frauen und MINT entwickelt. Der Girl’s Day hat es sich zum Ziel gesetzt, Mädchen und Frauen Berufe und Studienfächer vorzustellen, in denen der Frauenanteil unter 40 % liegt. In diesem Rahmen begegnen Teilnehmerinnen weiblichen Vorbildern in Führungspositionen aus Wirtschaft und Politik.

Fazit

Auch wenn dank dieser und anderer Förderprogramme und Initiativen inzwischen mehr Frauen eine Karriere in den MINT-Branchen anstreben, sind sie nach wie vor deutlich unterrepräsentiert. Die Gesellschaft muss also weiterhin aktiv werden, um noch mehr Frauen zu ermutigen und dabei zu unterstützen, sich für diese Berufe zu qualifizieren und zu bewerben. So kann ein Pool von hochqualifizierten Fachkräften erschlossen werden, der weiter zur Schließung der Fachkräftelücke beiträgt.

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