Tag der Frauengesundheit: Ist Medizin für Männer gemacht?

In vielen Bereichen der Medizin spielen geschlechtsspezifische Unterschiede eine bedeutende Rolle. Jedoch wurden medizinische Studien und klinische Versuche in der Vergangenheit vermehrt an männlichen Probanden durchgeführt, wodurch bestimmte Aspekte der Gesundheit von Frauen vernachlässigt oder unzureichend untersucht wurden. Am Tag der Frauengesundheit wird auf diese Umstände aufmerksam gemacht.

Der Tag der Frauengesundheit dient dazu, die Bedeutung der Gesundheit von Frauen hervorzuheben und auf die spezifischen Herausforderungen einzugehen, mit denen Frauen in Bezug auf ihr körperliches und mentales Wohlbefinden konfrontiert sind. Von der reproduktiven Gesundheit bis hin zu geschlechtsspezifischen Krankheiten und dem Einfluss sozialer, kultureller und wirtschaftlicher Faktoren – es gibt zahlreiche Aspekte, die die Gesundheit von Frauen auf der ganzen Welt beeinflussen. Ein Aspekt der Frauengesundheit, für den das Bewusstsein in den vergangenen Jahren gewachsen ist, stellt der sogenannte Gender Bias in der Medizin dar.

Gender Bias in der medizinischen Forschung

Der Gender Bias in der medizinischen Forschung beschreibt die systematische Vernachlässigung von Geschlechterunterschieden bei der Durchführung von Studien und der Interpretation von klinischen Daten. Lange Zeit wurde medizinische Forschung hauptsächlich an männlichen Probanden durchgeführt, während Frauen unzureichend berücksichtigt wurden. Dies führt zu einer Lücke im Verständnis geschlechtsspezifischer Unterschiede bei Krankheiten, Symptomen, Diagnosen und Behandlungen.

Die Folgen des Gender Bias in der Medizin für Frauen sind vielfältig:

  • Verringerte Wirksamkeit von Medikamenten oder Behandlungen
  • (Lebens-)gefährliche Nebenwirkungen von Medikamenten
  • Verzögerte oder falsche Diagnosen
  • Erschwerter Zugang zu Informationen und Beratung
  • Fehlende Unterstützung oder Schwierigkeiten, ernstgenommen zu werden

Diese Krankheiten betreffen (hauptsächlich) Frauen

Es gibt Hinweise darauf, dass einige Krankheiten, die hauptsächlich Frauen betreffen, weniger umfangreich untersucht und erforscht werden als andere Krankheiten. Dieses Phänomen wird als «gender health gap» oder «gender medicine gap» bezeichnet. Krankheiten, die hauptsächlich oder ausschliesslich Frauen betreffen sind beispielsweise:  

  1. Osteoporose: Obwohl Osteoporose bei beiden Geschlechtern auftreten kann, betrifft sie Frauen häufiger als Männer. Frauen haben ein höheres Risiko für Osteoporose aufgrund bestimmter Faktoren wie hormonelle Veränderungen während der Menopause, einem niedrigeren Peak der Knochendichte und einer längeren Lebenserwartung. Der Östrogenmangel während der Menopause führt zu einem beschleunigten Knochenabbau. Bei Männern tritt Osteoporose in der Regel später im Leben auf und ist oft mit anderen gesundheitlichen Problemen verbunden, wie z.B. einem niedrigen Testosteronspiegel, bestimmten Medikamenten oder Erkrankungen wie z.B. Hypogonadismus oder Alkoholmissbrauch.
  2. Endometriose: Endometriose ist eine Erkrankung, bei der sich Gewebe ausserhalb der Gebärmutter bildet. In der Regel betrifft dies vor allem Frauen im gebärfähigen Alter. Es gibt jedoch seltene Fälle, in denen auch Männer von Endometriose betroffen sind. Eine angemessene Diagnose und Behandlung erfordern das Bewusstsein und die Sensibilität der medizinischen Fachkräfte. Eine umfassendere Forschung in diesem Bereich ist erforderlich, um die Versorgung aller Patienten mit Endometriose zu verbessern.
  3. Polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS): Das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) ist eine hormonelle Störung, die normalerweise bei Frauen im gebärfähigen Alter auftritt. Es ist durch das Vorhandensein von Zysten in den Eierstöcken sowie durch hormonelle Ungleichgewichte gekennzeichnet. Obwohl PCOS hauptsächlich bei Frauen diagnostiziert wird, können auch bei Männern durch ähnliche hormonelle Ungleichgewichte Symptome auftreten. Bei Männern äussert sich dies in einem erhöhten Spiegel des männlichen Hormons Testosteron und kann zu verschiedenen Symptomen wie Akne, verminderter Libido und Störungen der Fruchtbarkeit führen.
  4. Brustkrebs: Brustkrebs tritt sowohl bei Frauen als auch bei Männern auf. Statistisch gesehen sind Frauen jedoch viel häufiger von Brustkrebs betroffen als Männer: Etwa 99 Prozent aller Brustkrebsfälle betreffen Frauen, während weniger als 1 Prozent Männer betrifft.
  5. Gebärmutterhalskrebs: Der Gebärmutterhals befindet sich am unteren Teil der Gebärmutter und bildet eine Verbindung zur Vagina. Bei Frauen kann eine Infektion mit dem humanen Papillomavirus (HPV) das Risiko für die Entwicklung von Gebärmutterhalskrebs erhöhen. HPV ist eine sexuell übertragbare Infektion, die bei vielen Menschen keine Symptome verursacht, aber bei einigen zu Zellveränderungen führen kann, die letztendlich zu Krebs führen können. Es ist wichtig zu beachten, dass Männer zwar nicht direkt von Gebärmutterhalskrebs betroffen sind, aber dennoch das humane Papillomavirus (HPV) in sich tragen und an sexuelle Partnerinnen weitergeben können. HPV kann bei Männern zu anderen Krebsarten wie Peniskrebs, Analkrebs und Rachenkrebs führen. Daher ist es wichtig, dass sowohl Männer als auch Frauen über HPV-Impfungen und regelmässige Vorsorgeuntersuchungen informiert sind, um das Risiko von HPV-bedingten Krebserkrankungen zu reduzieren.

Unterschiedliche Symptome und Krankheitsverläufe bei Frauen

Während viele Krankheiten bei beiden Geschlechtern ähnliche Symptome zeigen, gibt es andere, bei denen die Unterschiede in den Auswirkungen auf den Körper signifikant sind. Beispiele dafür sind:

Herzinfarkt

Bei Männern äussert sich ein Herzinfarkt oft durch typische Symptome wie plötzliche Brustschmerzen, Druck oder Engegefühl in der Brust, die möglicherweise in den Arm, den Nacken, den Kiefer oder den Rücken ausstrahlen. Männer können auch Atemnot, Übelkeit, Erbrechen oder Schwindel verspüren.

Bei Frauen können die Symptome eines Herzinfarkts subtiler sein und nicht immer das klassische Bild von Brustschmerzen zeigen. Frauen können Symptome wie starke Müdigkeit, Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder sogar grippeähnliche Symptome haben. Sie können auch Schmerzen oder Beschwerden im Oberbauch, Kiefer, Nacken, Arm oder Rücken verspüren.

Schlaganfall

Bei Männern äussert sich ein Schlaganfall oft durch plötzliche Schwäche oder Lähmung auf einer Körperseite, insbesondere in Gesicht, Arm oder Bein. Männer, die einen Schlaganfall erleiden, haben häufig Schwierigkeiten, klar zu sprechen. Zusätzlich können Verwirrtheit, starke Kopfschmerzen, Schwindel oder Gleichgewichtsprobleme auftreten.

Bei Frauen können die Symptome eines Schlaganfalls subtiler und anfangs eher unspezifisch sein: So berichten weibliche Patienten häufig von Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder allgemeinem Unwohlsein. Zudem können sie Gesichtsschmerzen, Kurzatmigkeit oder plötzliche Veränderungen in der Stimmung erfahren.

Depression

Depressionen betreffen Menschen unabhängig von ihrem Geschlecht. Während Frauen jedoch vermehrt Symptome wie Traurigkeit, Interessensverlust und Schlafstörungen zeigen, die direkt mit einer Depression in Verbindung gebracht werden, neigen Männer eher dazu, ihre emotionalen Probleme zu verbergen. Dadurch äussert sich die Krankheit häufig in Reizbarkeit, Aggression oder übermässigem Alkohol- oder Drogenkonsum. Dies führt dazu, dass Depressionen bei Männern oftmals unentdeckt bleiben oder falsch diagnostiziert werden.

Risiko Geburt: Noch immer sterben zahlreiche Frauen und Babys

Schwangerschaft und Geburt sind wesentliche Aspekte der Frauengesundheit. Noch immer sterben jährlich weltweit etwa 4,5 Millionen Mütter und Babys während der Schwangerschaft, bei der Geburt oder in den Wochen danach. Laut einem Bericht der Vereinten Nationen gibt es seit 2015 kaum Fortschritte im Kampf gegen diese vermeidbaren Todesfälle, da die Investitionen rückläufig sind. Die WHO betont, dass schwerwiegende Blutungen bei der Geburt, welche die Hauptursache für Müttersterblichkeit darstellen, durch einfache Investitionen deutlich reduziert werden könnten. Die mangelnden Fortschritte bei der Müttersterblichkeit sind ein komplexes Problem, das auf verschiedene Faktoren zurückzuführen ist und durch die Ungleichheit im Zugang zu Gesundheitsversorgung und Gender Bias in der Medizin verstärkt wird.

Herausforderungen, die die Verbesserung der Müttersterblichkeitsrate beeinflussen, sind:

  1. Ungleichheit im Zugang zur Gesundheitsversorgung: In vielen Regionen der Welt haben Frauen, insbesondere in ländlichen und benachteiligten Gemeinschaften, keinen ausreichenden Zugang zu qualitativ hochwertiger pränataler, nataler und postnataler Gesundheitsversorgung. Dies kann zu verzögerter oder unzureichender medizinischer Betreuung führen.
  2. Mangelnde Investitionen in das Gesundheitssystem: Ein unzureichendes Gesundheitssystem führt zu einem Mangel an qualifiziertem medizinischem Personal, schlechter Infrastruktur und begrenzten Ressourcen für die Geburtshilfe.
  3. Soziale, kulturelle und wirtschaftliche Faktoren: Soziale Ungleichheiten, kulturelle Normen und ökonomische Faktoren können die Gesundheit von Frauen während der Schwangerschaft und Geburt beeinflussen. Beispielsweise können fehlendes Bewusstsein für Gesundheitsfragen, geringe Bildung, frühe Eheschliessung, Armut und Diskriminierung die Möglichkeiten, angemessene Gesundheitsversorgung zu erhalten, einschränken.
  4. Komplexe medizinische Herausforderungen: Einige medizinische Bedingungen, die zur Müttersterblichkeit beitragen, beispielsweise schwere Blutungen, Bluthochdruck, Infektionen und Komplikationen während der Geburt, erfordern komplexe medizinische Interventionen und Ressourcen. Wenn diese nicht verfügbar sind oder nicht rechtzeitig angewendet werden, kann dies zu schwerwiegenden Komplikationen und sogar zum Tod führen.

Frauengesundheit: gemeinsam die Herausforderungen in der Gesundheitsversorgung lösen

Es gibt nach wie vor Herausforderungen und Ungleichheiten, unter denen Frauen in Bezug auf ihre Gesundheit und medizinische Versorgung leiden. Der Gender Bias, der sich in verschiedenen Aspekten des Gesundheitssystems manifestiert, kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Gesundheit von Frauen haben und zu einer erhöhten Sterblichkeitsrate führen. Um den Gender Bias in der Medizin zu bekämpfen und die Frauengesundheit zu verbessern, bedarf es eines multidimensionalen Ansatzes, der die Förderung von Geschlechtergleichstellung und Frauenrechten, die Stärkung des Bewusstseins für geschlechtsspezifische Gesundheitsprobleme sowie die Integration von Geschlechteraspekten in die medizinische Ausbildung und Forschung beinhaltet. So können wir einen wichtigen Schritt hin zu einer inklusiven und effektiven Gesundheitsversorgung für Frauen machen.

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