Grosses Thema Kinderwunsch: Sind Fertility Benefits der neue HR-Trend?

In den USA liegen Fertility Benefits bereits voll im Trend: Unternehmen wie Google, Apple, Starbucks oder Netflix unterstützen ihre Mitarbeitenden finanziell bei der Familienplanung. Nun möchte auch der Dax-Konzern Merck diesem Beispiel folgen und Fertility Benefits für seine Beschäftigten in Deutschland anbieten.

Eine eigene Familie zu gründen, ist der Lebenstraum vieler Menschen. Aus diesem Grund ist ein unerfüllter Kinderwunsch für Betroffene oftmals äusserst belastend. Während vielen schlicht und ergreifend der richtige Partner für die Familienplanung fehlt, bleibt der Kinderwunsch auch in festen Beziehungen oft unerfüllt: Laut dem Familienministerium ist fast jedes zehnte Paar zwischen 25 und 59 ungewollt kinderlos.

Wenn Arbeitgeber Fruchtbarkeitsbehandlungen unterstützen

Bleibt eine Schwangerschaft über einen längeren Zeitraum aus, suchen viele Menschen nach Lösungen, um ihren Traum von der eigenen kleinen Familie dennoch verwirklichen zu können. Doch Fruchtbarkeitsbehandlungen sind teuer und zeitintensiv: Je nachdem, welche Massnahmen und deren Erfolgschancen aussehen, können die Kosten schnell in die Tausende gehen. Zwar unterstützen in Deutschland die Krankenkassen, doch die Hilfen sind in der Regel an strenge Bedingungen gebunden. Daher unterstützen in solchen Situationen immer mehr Arbeitgeber mit sogenannten Fertility Benefits.

Was genau sind „Fertility Benefits“?

Fertility Benefits sind Leistungen, die Arbeitgeber bereitstellen, um ihre Mitarbeitenden bezüglich eines (unerfüllten) Kinderwunsches oder der Empfängnisverhütung zu unterstützen. Diese können eine Vielzahl unterschiedlicher Leistungen abdecken:

  • Übernahme von Kosten für Empfängnisverhütungsmittel oder -behandlungen
  • Unterstützung bei Adoptionsprozessen
  • Social Freezing
  • In-vitro-Fertilisation
  • Weitere Fruchtbarkeitsbehandlungen z.B. Ovulationsstimulation

In-vitro-Fertilisation (IVF)

Die In-vitro-Fertilisation (IVF) ist ein Verfahren zur Unterstützung der Reproduktion. Hierbei werden Eizellen ausserhalb des Körpers befruchtet, nachdem die Eierstöcke mit Hilfe von Medikamenten stimuliert und Eizellen entnommen wurden. Nach der Befruchtung werden die Embryonen einige Tage kultiviert und anschliessend in die Gebärmutter eingesetzt. Die Erfolgsrate ist von Frau zu Frau unterschiedlich und hängt unter anderem vom Alter der Frau, der Ursache der Unfruchtbarkeit und anderen Faktoren ab. Generell liegt sie zwischen 20 und 35 Prozent pro Behandlungszyklus.

In den USA sind Fertility Benefits weitaus verbreiteter als in Deutschland: Laut einer Umfrage von 2020 boten 78 Prozent der Arbeitgeber in den vereinigten Staaten ihren Mitarbeitenden die Übernahme von Kosten für Verhütungsmittel an, während knapp 30 Prozent die Kosten für In-vitro-Fertilisation oder Unfruchtbarkeitsbehandlungen übernahmen.

Doch der Trend schwappt über: Erst kürzlich kündigte der Pharma-Konzern Merck an, derartige Leistungen schon bald auch für Mitarbeitende in Deutschland anzubieten. Übernommen werden dabei zum Beispiel Fruchtbarkeitstest oder In-vitro-Behandlungen.

Social Freezing: Die Lösung bei spätem Kinderwunsch

Beim Social Freezing werden Eizellen oder Spermien für spätere Verwendung eingefroren. Social Freezing wird meist in Anspruch genommen, wenn Personen aus medizinischen (z.B. aufgrund einer Chemotherapie), beruflichen oder persönliche Gründen noch eine Zeit lang mit der Familienplanung warten möchten.

Sowohl Männer als auch Frauen können Social Freezing nutzen: Bei Frauen wird dabei eine hormonelle Stimulation durchgeführt, um mehrere Eizellen gleichzeitig zu produzieren. Diese werden dann chirurgisch entnommen und eingefroren. Bei Männern ist der Prozess einfacher und kostengünstiger, da die Spermien relativ unkompliziert durch Masturbation gewonnen und dann eingefroren werden können.

Wenn die Person oder das Paar bereit ist, eine Familie zu gründen, dann können diese eingefrorenen Eizellen oder Spermien aufgetaut und für In-vitro-Fertilisation (IVF) oder andere Fortpflanzungstechniken verwendet werden.

Fertility Benefits: Das sind die Vor- und Nachteile

Doch die Bestrebungen finden nicht nur Anklang. Nachdem Tech-Giganten wie Google und Apple ihren Mitarbeiterinnen das Einfrieren von Eizellen finanzierten, gab es Kritik: Dadurch würde Druck auf weibliche Angestellte ausgeübt werden, die Familienplanung auf einen für das Unternehmen günstigen Zeitpunkt zu verschieben und ihre Karriere zu priorisieren. Andere wiederum sehen es als eine Möglichkeit, die Selbstbestimmung der Frauen zu erweitern und ihnen mehr Kontrolle über ihre berufliche und private Zukunft zu geben. Weitere Vor- und Nachteile von Fertility Benefits sind:

Vorteile:

  • Mentale Gesundheit der Mitarbeitenden wir unterstützt: Ein unerfüllter Kinderwunsch kann psychisch und finanziell enorm belastend sein. Arbeitgeber können durch Fertility Benefits finanzielle Unterstützung bieten und ihre Mitarbeitenden dahingehend entlasten.
  • Chancengleichheit: Fertility Benefits tragen dazu bei, Ungleichheiten im Zugang zu reproduktiven Dienstleistungen zu verringern. Durch die (Teil-)Übernahme der Kosten werden solche Leistungen für mehr Menschen zugänglich und bezahlbar.
  • Steigerung der Arbeitgeberattraktivität & Mitarbeiterbindung: Durch Fertility Benefits positionieren sich Unternehmen als moderner und fürsorglicher Arbeitgeber. Dies kann nicht nur dazu beitragen, neue Top-Talente anzuziehen, sondern auch die Loyalität und Zufriedenheit der bestehenden Belegschaft weiter zu stärken.

Nachteile:

  • Datenschutzbedenken: Die Weitergabe und Verarbeitung sensibler gesundheitsbezogener Daten kann bei Mitarbeitenden zu Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und dem Schutz der Privatsphäre führen. Zudem verschwimmen die Grenzen zwischen Privat- und Berufsleben durch die Inanspruchnahme von Fertility Benefits zunehmend.
  • Fairness: Die Einführung von Fertility Benefits kann von Mitarbeitenden, die diese Leistung nicht in Anspruch nehmen wollen oder müssen, als ungerecht empfunden werden.
  • Komplexe Verwaltung: Durch die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeitenden kann die Organisation und Abwicklung von Fertility Benefits Unternehmen vor administrative Herausforderungen stellen.
  • Hohe Kosten: Die Bereitstellung von Fertility Benefits geht für das Unternehmen selbstverständlich mit Kosten einher, insbesondere dann, wenn viele Mitarbeitende das Angebot nutzen.

Zwischen Selbstbestimmung und sozialem Druck – Fertility Benefits in der Kritik

Fertility Benefits sind in den USA bereits weit verbreitet und finden auch in Deutschland immer mehr Anklang. Befürworter solcher Leistungen führen an, dass diese die Selbstbestimmung von Frauen hinsichtlich ihrer Karriere- und Familienplanung erweitern und die mentale Gesundheit von Mitarbeitenden stärken können. Es gilt jedoch, Datenschutzbedenken angemessen zu adressieren. Es bleibt abzuwarten, wie sich der Trend in Deutschland weiterentwickelt und ob andere grosse Unternehmen dem Beispiel von Merck folgen werden.

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