Arzneimittel und Medizinprodukte auf Abwegen – wenn Selbstoptimierung und Schönheitstrends die Gesundheit gefährden

Fitter, schlanker, schöner: Unsere Gesellschaft ist im Gesundheits- und Selbstoptimierungswahn. Auch im Netz kursieren regelmässig neue Schönheitstrends – diese sind jedoch nicht immer ungefährlich.

„Es gibt tausende Krankheiten, aber nur eine Gesundheit“, wusste bereits Literatur- und Theaterkritiker Ludwig Börne. Dennoch setzen immer mehr Menschen beim Streben nach Schönheit und Gesundheit genau diese aufs Spiel. Deutschland gehörte im Jahr 2021 laut der Internationale Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie mit fast 477.000 Schönheitsoperationen zu den Ländern mit den meisten ästhetisch-plastischen Eingriffen weltweit und liegt damit hinter den USA, Brasilien und Mexico auf Platz vier. Als Gründe für den Wunsch nach äusserlichen Veränderungen nennen die Patientinnen und Patienten unter anderem die Reduzierung ästhetischer Makel und die Verbesserung des Selbstwertgefühls. Doch die Eingriffe bergen teilweise enorme gesundheitliche Risiken. Auch in den sozialen Medien kursieren immer wieder neue fragwürdige und teilweise sogar gefährliche Trends und Challenges, die schöner, schlanker oder fitter machen sollen.

 

Gefährlicher Trend: Diabetes-Medikament Ozempic für einen schlanken Körper

„Ozempic“ ist in den USA und Europa als Diabetes-Medikament zugelassen und hilft Menschen mit Diabetes Typ 2 ihren Zuckerhaushalt zu normalisieren. Dennoch nutzen Menschen das Mittel seit neustem für andere Zwecke: Das Abnehmen. So twitterte Tesla-Gründer Elon Musk erst Ende 2022 darüber, dass er „Ozempic“, für seine drastische Gewichtsreduktion nutzte – und entfachte damit einen Hype. Der Hype um das Arzneimittel ist aus unterschiedlichen Gründen problematisch: Zum einen kann der Gebrauch für Nicht-Diabetiker Nebenwirkungen auslösen, zudem war die Nachfrage, die durch die prominenten Befürworter der fragwürdigen Abnehmstrategie ausgelöst wurde, so gross, dass das Medikament zeitweise in mehreren Apotheken – und damit vor allem auch für die eigentlichen Patienten – nicht mehr verfügbar war.

Auch weitere dubiöse Diäten, zum Beispiel in Form von Lollipops, die das natürliche Hungergefühl unterdrücken, oder die auf TikTok kursierende Salzwasser-Diät („Salt Water Flush“), die den Körper dehydrieren und zu Erbrechen, Krämpfen und Herz-Kreislauf-Problemen führen kann, sind weder nachhaltig noch gesund.

Vitamin-Infusionen: Nahrungsergänzung in der Spritze

Bei Patienten chronischer Erkrankungen, wie beispielsweise Skorbut, aber auch in der Therapie von Krebserkrankten kommen Vitamin-Infusionen als unterstützende Massnahme zum Einsatz. Aber auch abseits der Behandlung und Unterstützung von Patienten werden die intravenösen Vitamin-Booster nachgefragt: Sie sollen die Empfänger mit wertvollen Nährstoffen versorgen und dadurch „verjüngen“. Was die Infusionen von herkömmlichen Nahrungsergänzungsmitteln unterscheiden soll, ist die intravenöse Zufuhr, wodurch die Stoffe direkt ins Blut gelangen und schneller und effektiver wirken. Der Haken: Dies birgt kaum einen Mehrwert, wenn der Körper keinen Mangel aufweist.

Im Vergleich zu anderen Beauty-Trends scheinen die Vitamin-Infusionen recht geringes Risiko vorzuweisen, dennoch können auch hier nicht zu vernachlässigende Nebenwirkungen auftreten. Ein Überschuss kann zum Beispiel zu einer Gegenreaktion führen und dem Stoffwechsel, oder den Nieren und der Leber schaden. In den letzten Jahren gab es sogar immer wieder Meldungen über Todesfälle nach der Verabreichung derartiger Infusionen

Das lebensgefährliche Geschäft mit den Schönheitsoperationen

Die Anfänge der plastischen Chirurgie gehen viele Jahrhunderte zurück. Schon 1200 v. Chr. gab es in Indien Nasenoperationen – zum einen als Strafe bei Verbrechen aber auch zur plastischen Rekonstruktion. Die moderne plastische Chirurgie wurde als Begriff erstmals im 19. Jahrhundert abgrenzend definiert, auch hier lag der Fokus weiterhin auf der Rekonstruktion – ebenso noch im 20. Jahrhundert nach den Weltkriegen. Was zunächst also bedeutende Erleichterungen für Patienten mit sich brachte, ist im Laufe der Zeit zu einem festen Bestandteil des Selbstoptimierungstrends geworden. Doch auch plastisch-chirurgische Eingriffe bergen Risiken.

Als gefährlichste Schönheitsoperation der Welt gilt der „Brazilian Butt Lift“. Immer wieder sterben Patientinnen an den Folgen des Eingriffs, bei dem körpereigenes Fett abgesaugt und dann in das Gesäss indiziert wird. Laut der Süddeutschen Zeitung geschieht dies bei rund 1 von 3000 Operationen. Die Sterberate ist so hoch, da das Fettgewebe in die Blutbahnen des Muskelgewebes gelangen kann, wodurch eine Fettembolie ausgelöst werden kann. Im November 2021 wurde in Düsseldorf ein Arzt verurteilt, nach dessen Behandlung zwei Frauen starben. Trotz des hohen Risikos ist der Eingriff in den letzten Jahren immer beliebter geworden: Laut der Internationale Gesellschaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie wurden im Jahr 2020 weltweit 396.105 Gesässvergrösserungen durchgeführt, im Jahr 2021 waren es bereits 523.331. Dies entspricht einem Anstieg von etwa 32 %.

Zu den beliebtesten Schönheitsoperationen gelten in Deutschland die Brustvergrösserung und die Faltenunterspritzung. Auch diese Eingriffe bergen nicht unerhebliche gesundheitliche Risiken.

Unterspritzungen mit Hyaluronsäure: Langzeitfolgen oft nicht bekannt

Hyaluronsäure wird vielfältig in der Medizin eingesetzt: zum einen zur Behandlung bei Arthrose, aber auch zur Pflege von Schleimhäuten und in Form von Augentropfen. Aufgrund der wasserbindenden sowie glättenden Eigenschaften wird Hyaluronsäure ausserdem in der Hautpflege eingesetzt und fördert die Elastizität und Straffheit des Bindegewebes.

Besonders beliebt sind seit einigen Jahren minimalinvasive Eingriffe wie die ambulant durchgeführten Unterspritzungen mit Hyaluronsäure zur Vergrösserung der Lippen – diese bergen jedoch Risiken. Zum einen können derartige Unterspritzungen mit Hyaluron in Deutschland von einem Heilpraktiker durchgeführt werden. Es wird also keine spezifische Ausbildung benötigt, um diesen Eingriff durchzuführen.

Zudem gibt es Nebenwirkung und Langzeitfolgen, die vielen Patientinnen und Patienten nicht bewusst sind. Eine häufige Folge: Das Hyaluron kann im Gesicht wandern oder Knötchen bilden und muss nach einigen Jahren oder manchmal bereits nach wenigen Monaten mit dem Gegenmittel Hyalase aufgelöst werden. Wird das Mittel jedoch versehentlich in einen Nerv oder ein Blutgefäss gespritzt, können Teile des Gewebes absterben („Gewebsnekrose“). Insbesondere in Augennähe kann das sogar zur Erblindung führen.

Besonders gefährlich: Derzeit kursiert aktuell auf TikTok der Trend, die Unterspritzungen mit Hyaluronsäure eigenständig zuhause durchzuführen. Die korrekte Anwendung, die Produktqualität sowie die notwendige Sterilität des Umfelds und der Spritzen können bei einer Anwendung durch Laien nicht sichergestellt werden. Es gilt: Die sicherste Lösung bleibt, nicht medizinisch notwendige Eingriffe vollständig zu vermeiden.

 

Vorsicht bei Beauty-Trends, Hacks und Challenges in sozialen Medien

Es ist unbestritten, dass soziale Medien einen immensen Einfluss auf unsere Körperwahrnehmung und unser Schönheitsempfinden haben. Darüber hinaus verbreiten sich immer wieder neue Beautytrends über die sozialen Netzwerke. Insbesondere auf der Plattform TikTok finden sich fragwürdige und teilweise höchst gefährliche „Challenges“ und „Hacks“. Beispiele für gefährliche Schönheitstrends auf sozialen Medien sind beispielsweise die Verwendung von Bleichmittel für hellere Zähne, “Sunscreen Contouring”, also das Auftragen von Sonnencreme auf bestimmte Hautstellen, um das Gesicht zu formen oder das Abfeilen von Zähnen mit einer herkömmlichen Feile.

Beautytrends als unterschätze Gefahr – vor allem für die junge Generation

Gefährliche Schönheitstrends und fragwürdige Diäten können die Gesundheit enorm gefährden – vor allem wenn Medizinprodukte und Arzneimittel „zweckentfremdet“ werden. In der Vergangenheit kam es immer wieder zu Todesfällen in Folge unterschiedlichster Eingriffe. Patientinnen und Patienten sollten sich im Voraus umfassend über den Eingriff informieren und das Gespräch mit einem Arzt suchen. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass sich der behandelnde Arzt im Aufklärungsgespräch genug Zeit nimmt. Wird Druck ausgeübt oder Bedenken kleingeredet, sind das ernstzunehmende Warnsignale. Im besten Fall sollte jeder Eingriff, der nicht medizinisch notwendig ist, vermieden werden.

Immer wieder setzen insbesondere Kinder und Jugendliche durch die Teilnahme an Challenges und das Ausprobieren solcher Beautytrends ihre Gesundheit aufs Spiel. Obwohl Plattformen wie TikTok das Problem erkannt haben, reagieren sie meist nicht schnell genug auf gefährliche Challenges, da diese oft innerhalb weniger Stunden viral gehen. Junge Nutzerinnen und Nutzer sozialer Plattformen müssen besser vor Challenges und Trends, die ihre Gesundheit gefährden können, geschützt werden. Hier stehen sowohl die Plattformen durch eine konsequentere Umsetzung ihrer Beitragsrichtlinien in der Verantwortung, aber. auch Erziehungsberichtigte müssen aufklären und einen verantwortungsbewussten Umgang mit sozialen Medien beibringen.  

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