Die EU-Verpackungsverordnung: Auswirkungen auch auf die Life Science Branche

Im Angesicht globaler Umweltprobleme hat die Europäische Union entschieden, aktiv gegen die Flut von Verpackungsabfällen vorzugehen. Die Antwort auf diese Herausforderung manifestiert sich in der neuen EU-Verpackungsverordnung, einer richtungsweisenden Regelung, die darauf abzielt, den Einsatz von Einwegplastik zu reduzieren und die Wiederverwertung von Verpackungen voranzutreiben. Trotz vieler Bedenken aus handelspolitischen Gründen stimmte Deutschland dieser neuen Verordnung zu.

Kernpunkte der neuen EU-Verordnung

Die neue EU-Verpackungsverordnung markiert einen entscheidenden Schritt in Richtung nachhaltigerer Produktions- und Konsumgewohnheiten innerhalb der Europäischen Union. Mit strengeren Vorschriften und klaren Zielen setzt diese Verordnung neue Maßstäbe für die Verpackungsindustrie und zielt darauf ab, den ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Die neue Verordnung wird sowohl für Unternehmen als auch für Verbraucher bedeutende Änderungen und Herausforderungen mit sich bringen.

Reduzierung von Verpackungsmüll

In der Verordnung setzt sich die EU das ehrgeizige Ziel, durch eine Staffelung bis zum Jahr 2040 den Verpackungsmüll um mindestens 15 Prozent zu verringern. Diese Vorgabe bedeutet eine erhebliche Anstrengung seitens der Mitgliedstaaten und der Industrie, die Verpackungsmethoden zu überdenken und nachhaltige Lösungen zu implementieren.

Verbot bestimmter Einwegverpackungen

Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Verbot bestimmter Einwegverpackungen. Ab dem Jahr 2030 werden Einwegverpackungen für unverarbeitetes Obst und Gemüse sowie für Einzelportionen von Zucker oder Gewürzen untersagt. Die Verordnung erstreckt sich beispielsweise auch auf Plastikfolien, die an Flughäfen für das Verpacken von Gepäckstücken verwendet werden, sowie auf die allgegenwärtigen leichten Plastiktüten in Supermärkten oder Einwegverpackungen von Hygieneartikeln in Hotels.

Verpflichtung zur Recyclingfähigkeit

Ab 2030 wird vorausgesetzt, dass alle in der EU in Verkehr gebrachten Verpackungen recycelbar sein müssen. Einige wenige Ausnahmen sind vorgesehen, wie zum Beispiel für traditionelle Holzverpackungen bestimmter Käsesorten oder für medizinische Produkte.

Chemikalienverbot in Lebensmittelverpackungen

Die Verordnung sieht vor, dass Lebensmittelverpackungen frei von persistenten, gesundheitsschädlichen Chemikalien sein müssen. Bestimmte Grenzwerte der „Ewigkeitschemikalien“, der PFAS (Per- und Polyfluoralkylsubstanzen) dürfen künftig nicht überschritten werden. Dies stellt sicher, dass die Gesundheit der Verbraucher geschützt wird und die Umwelt nicht durch schwer abbaubare Substanzen belastet wird.

Pfandsysteme und Mehrwegquoten

Die EU-Mitgliedstaaten sind aufgefordert, Pfandsysteme für Einweg-Plastikflaschen und -Getränkedosen einzurichten. Darüber hinaus müssen die Mehrwegquoten eingehalten werden, was die Verpackungsindustrie zu einem Umdenken zwingt.

Hintergrund der neuen EU-Verpackungsverordnung

Die Einführung der neuen EU-Verpackungsverordnung ist eine Antwort auf die wachsende Umweltbelastung durch Verpackungsabfälle, die in Europa und weltweit zu einem drängenden Problem geworden ist. Der Verpackungsmüll in der EU ist von 66 Millionen Tonnen im Jahr 2009 auf 84 Millionen Tonnen im Jahr 2021 angestiegen – mit einem Pro-Kopf-Abfall von 188,7 kg im Jahr 2021. Prognosen zufolge könnte diese Zahl bis 2030 auf 209 kg pro Kopf ansteigen, falls keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Der Umsatz, der mit Verpackungen erwirtschaftet wurde, lag im Jahr 2018 bei 355 Mrd. Euro. Angesichts der steigenden Mengen an Verpackungsmüll und der damit verbundenen negativen Auswirkungen auf Ökosysteme und die menschliche Gesundheit hat die Europäische Union diese überarbeiteten Richtlinien als Teil ihres umfassenderen Aktionsplans für eine Kreislaufwirtschaft verabschiedet. Ziel ist es, die Ressourceneffizienz zu verbessern, den Anteil recycelter Materialien zu erhöhen und die Abfallmengen insgesamt zu reduzieren. Die Verordnung soll nicht nur die Umweltauswirkungen minimieren, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft stärken, indem sie Innovationen in den Bereichen nachhaltige Materialien und Recyclingtechnologien fördert. Dadurch wird ein wichtiger Schritt zur Erreichung der Klimaziele der EU und zur Förderung einer nachhaltigeren Zukunft gesetzt.

Handelspolitische Bedenken in Deutschland

Obwohl Deutschland grundsätzlich die Verordnung unterstützt, gibt es Bedenken – insbesondere hinsichtlich der handelspolitischen Implikationen einer sogenannten Spiegelklausel. Diese Klausel verlangt von Drittstaaten, die ihre Produkte in die EU exportieren, die Einhaltung bestimmter Standards, insbesondere bezüglich des Rezyklatanteils in Verpackungen. Diese könnten für Drittstaaten, die in die EU exportieren, problematisch sein. Solche Anforderungen könnten für Exporteure aus Nicht-EU-Ländern eine hohe Hürde darstellen und sind aus deutscher Sicht problematisch. Die Bedenken liegen darin, dass diese Regelung als protektionistisches Instrument wahrgenommen werden könnte, das zusätzliche Handelshemmnisse schafft.

Auswirkungen auf den Einzelhandel und das Takeaway Business

Die neue EU-Verpackungsverordnung betrifft EU-weit Unternehmen aller Branchen – von Industrie, über Handel, Verwaltung bis hin zur Pharma-Industrie. Sie bringt bedeutende Änderungen unter anderem für den Einzelhandel und den Takeaway-Bereich. Einzelhändler mit mehr als 100 Quadratmetern Verkaufsfläche müssen ab 2030 zehn Prozent ihrer Getränke in Mehrwegverpackungen anbieten, mit einer Anhebung auf 40 Prozent bis 2040. Wirtschaftsakteure sind ebenfalls angehalten, ab 2030 vierzig Prozent ihrer Transportverpackungen wiederverwendbar zu machen, mit einer Zielsteigerung auf siebzig Prozent bis 2040.

Für Takeaway-Anbieter gibt es die Vorgabe, dass Kunden mitgebrachte Behälter ab zwei Jahre nach Inkrafttreten der Verordnung befüllen lassen können, sofern keine hygienischen Bedenken vorliegen. Drei Jahre nach Inkrafttreten sind Alternativen zu Einwegverpackungen anzubieten, und ab 2030 ist ein Angebot von zehn Prozent der Waren in wiederverwendbaren Verpackungen vorgeschrieben. Größere Endvertreiber sollen sogar zehn Prozent ihrer Verkaufsfläche für Nachfüllstationen bereitstellen.

Herausforderungen für KMUs

Für Hersteller, Händler und Vertreiber bedeutet die neue EU-Verpackungsverordnung eine signifikante Veränderung. Umfassende Anpassungen in Produktion und Vertrieb werden notwendig sein, um den neuen Regelungen gerecht zu werden. Die direkte Anwendbarkeit soll eine einheitliche Umsetzung im Binnenmarkt fördern und damit die Rechtssicherheit stärken. Einige Unternehmen sehen Herausforderungen in Bezug auf die Rechtssicherheit und die Dokumentationspflicht zur Leerraumminimierung in Verpackungen. Diese Vorschriften gelten als weniger KMU-freundlich und bedeuten eine zusätzliche administrative Last. 

Auswirkungen auf die Life Science Branche

Grundsätzlich gilt die neue EU-Verpackungsverordnung auch für die Life Science Branche, jedoch wurde eine Ausnahmeregelung für Primärverpackungen von Arzneitmitteln und Medizinprodukten eingeräumt: Arzneimittel und Medizinprodukte sind zunächst bis zum 31. Dezember 2034 ausgenommen. Diese Ausnahme, wie vom Bundesverband der pharmazeutischen Industrie (BPI) und dem Bundesverband der Arzneimittelhersteller (BAH) begrüßt, wurde speziell für Primärverpackungen solcher Produkte aufgrund der Notwendigkeit zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit beschlossen. Die Branche hebt hervor, dass die besondere Natur dieser Produkte eine solche Regelung erforderlich macht, da strenge Verpackungsvorschriften die Lieferketten und damit die Verfügbarkeit kritischer Medizinprodukte und Arzneimittel beeinträchtigen könnten.

Neue Anforderungen und Investitionen für die Life Science Branche

Trotz dieser temporären Ausnahmen sieht sich die Pharmaindustrie mit erweiterten und umfassenden Nachhaltigkeitsanforderungen konfrontiert. Zu den neuen Vorgaben gehören begrenzte Verwendung bestimmter Stoffe, Designanforderungen zur Reduzierung von Gewicht und Volumen von Verpackungen, sowie detaillierte Etikettierungs-, Kennzeichnungs- und Informationspflichten. Insbesondere sollen Verpackungen Informationen über die Materialzusammensetzung enthalten, um die korrekte Entsorgung durch die Verbraucher zu vereinfachen. Der BPI schlägt vor, diese Informationen effizient mittels QR-Codes auf den Verpackungen bereitzustellen. Die Implementierung dieser Vorgaben erfordert signifikante Änderungen in den Produktionsprozessen und wird erhebliche Investitionen seitens der Pharmaunternehmen nach sich ziehen. Vor allem Hersteller verschreibungspflichtiger Medikamente, die im stark regulierten Markt agieren, könnten durch die zusätzlichen Kosten disproportional belastet werden.

Der Weg zur Zustimmung

Die Verordnung wurde am 24. April 2024 durch das EU-Parlament angenommen. Vor Inkrafttreten muss der Rat diese nun förmlich billigen. Es wird erwartet, dass dies nach der Sommerpause folgen wird. Anschließend tritt die Verordnung 20 Tage nach ihrer Veröffentlichung in Kraft, wobei sie unmittelbare Wirkung in den Mitgliedstaaten hat. Übergangsfristen sind für die Umsetzung der Recycling- und Wiederverwendungsquoten vorgesehen. Die festgelegten Ziele sollen konsequent ab dem Jahr 2030 umgesetzt werden.

Ein zukunftsweisender Beschluss mit einer Vielzahl an Auswirkungen

Die neue EU-Verpackungsverordnung ist ein entscheidender Schritt in Richtung einer nachhaltigeren Zukunft und zeigt die Notwendigkeit auf, Umweltauswirkungen durch verbessertes Verpackungsmanagement zu minimieren. Während die Verordnung langfristig zur Reduzierung von Verpackungsabfällen und Förderung der Kreislaufwirtschaft beiträgt, steht insbesondere die Life Science vor erheblichen Herausforderungen. Die speziellen Anforderungen an die Sicherheit und Integrität von Arzneimitteln und medizinischen Produkten erfordern innovative Lösungen, um die strengen Nachhaltigkeitsvorgaben zu erfüllen, ohne die Versorgungssicherheit zu gefährden. Trotz der kurzfristigen Ausnahmen für diese Branche ist es entscheidend, dass Unternehmen beginnen, nachhaltigere Verpackungsalternativen zu entwickeln, um den zukünftigen Anforderungen gerecht zu werden und gleichzeitig ihre Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. Dieser Übergang wird nicht nur umfassende Investitionen erfordern, sondern auch eine enge Zusammenarbeit zwischen Industrie, Regulierungsbehörden und Verbrauchern, um eine Balance zwischen Umweltschutz und Produktqualität zu gewährleisten.
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